Damian Maxson
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Liebe

Die Quelle des Lebens

Woher kommt das Gefühl, dass etwas fehlt? Ich habe lange gesucht, bis ich verstand, dass die tiefste Quelle des Lebens kein Ort ist, sondern eine Person.

Von Damian Maxson · 22. Juli 2026
Die Quelle des Lebens

Ich erinnere mich an Zeiten in meinem Leben, da fühlte sich alles trocken an. Wie ausgedörrtes Land unter einer unbarmherzigen Sonne. Ich funktionierte, ich tat, was von mir erwartet wurde, doch in den stillen Momenten spürte ich eine tiefe Leere. Es war nicht einfach Traurigkeit, es war das Fehlen von etwas Grundlegendem. Ein Durst, den nichts zu stillen schien.

Es ist seltsam, man kann alles haben, was die Welt als Erfolg bezeichnet, und sich trotzdem innerlich arm fühlen. Ich habe Menschen kennengelernt, deren Leben von aussen perfekt wirkte, deren Lächeln aber ihre Augen nicht erreichte. Wir alle suchen nach dieser einen Quelle, die nicht versiegt, nach etwas, das unserem Leben Gewicht und wahren Sinn gibt. Wir probieren vieles aus, aber der Durst bleibt.

Diese Suche ist so alt wie die Menschheit selbst. Es ist ein ständiges Hin und Her, ein Finden und wieder Verlieren. Die Geschichte Israels in der Bibel ist voll davon: Momente der tiefen Verbundenheit mit Gott, gefolgt von Phasen, in denen sie ihn vergassen und ihre eigenen Wege gingen. Immer wieder landeten sie in der gleichen Trockenheit. Ich erkenne mich darin wieder.

Was ich lange nicht verstand

Ich dachte, ich müsse mich einfach mehr anstrengen. Besser sein. Positiver denken. Mehr leisten. Ich las Bücher, versuchte mich an neuen Routinen, aber es war, als würde ich versuchen, einen leeren Brunnen mit einem Eimer zu füllen, der selbst ein Loch hat. Es war erschöpfend.

Die Welt ist durchdrungen von Kräften, die an uns zerren. Man kann es Gut und Böse nennen, Licht und Finsternis. Lange habe ich versucht, das Böse und die Leere aus eigener Kraft zu bekämpfen. Ich wollte das Gute aus mir selbst hervorbringen. Aber wie soll das gehen, wenn die Quelle fehlt? Es ist ein geistiger Bankrott, wenn man am Ende feststellt: Aus mir allein kommt nichts, was wirklich Leben hat.

Die bittere Erkenntnis ist, dass wir das bekommen, was wir in den Mittelpunkt unseres Denkens stellen. Wer sich permanent mit dem Mangel, der Ungerechtigkeit und der eigenen Unfähigkeit beschäftigt, dessen Welt wird grau und schwer. Wer sagt: „Es gibt nichts Höheres, keinen Sinn“, der erlebt genau das. Eine Welt ohne Gnade, ohne Hoffnung. Eine Welt, die genau so eintrifft, wie man sie sieht.

Und dann kam der Moment

Für mich war es kein lauter Knall. Es war ein leises Aufgeben. Ein Eingeständnis meiner eigenen Erschöpfung vor Gott. Der Punkt, an dem ich aufhörte, es selbst schaffen zu wollen, und anfing, mich mit dem zu beschäftigen, der von sich sagt, er sei das Leben: Jesus Christus.

Ich begann, in den Evangelien zu lesen, nicht als Pflichtübung, sondern als ein Dürstender. Ich begann, mit ihm zu reden, meine Gedanken, meinen Frust, meine Leere vor ihn zu bringen. Es fühlt sich seltsam an, das zu schreiben, und es soll nicht nach einer einfachen Formel klingen. Aber da passierte etwas. Je mehr ich mich mit ihm und seinen Worten abgab, desto mehr veränderte sich meine Sicht auf die Welt. Auf mich.

Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Johannes 14,6)

Er ist das Zentrum. Er ist die Quelle. Das ist keine neue esoterische Weisheit, sondern der Kern des christlichen Glaubens. Wenn man sich auf ihn ausrichtet, sein Leben von ihm füllen lässt, dann geschieht Veränderung. Nicht weil wir es machen, sondern weil er in uns wirkt. Es ist, als würde man ein vertrocknetes Samenkorn in fruchtbare, bewässerte Erde legen. Das Wachstum geschieht dann von selbst.

Es ist, als würden die Farben klarer

Wenn Gott in ein Leben tritt, wird nicht plötzlich alles einfach. Die Stürme kommen weiterhin. Aber der Anker hält. Die Wahrnehmung der ganzen Welt wird anders, sie wird durchflutet von seiner Gegenwart. Plötzlich sieht man nicht nur das Problem, sondern auch die Hand Gottes darin.

Indem wir ihn sehen, werden wir verändert. Es ist ein Prozess. Langsam, aber stetig werden wir heiler. Wir werden stärker, nicht aus eigener Muskelkraft, sondern aus einer inneren Festigkeit, die er schenkt. Die Dankbarkeit für kleine Dinge wächst, weil wir erkennen, dass nichts selbstverständlich ist. Die Fähigkeit zu lieben wird tiefer, weil wir selbst aus einer unendlichen Liebe schöpfen dürfen.

Auf einmal macht es Sinn. Der Schmerz, die Freude, die Beziehungen, die Arbeit. Alles wird zu einem Ort, an dem wir Gott begegnen und ihm ähnlicher werden können. Das Leben ist nicht mehr eine Aneinanderreihung von zufälligen Ereignissen, sondern ein Weg, auf dem wir von ihm geführt werden. Zurück zur Quelle.

Eine Ahnung vom Schöpfer

Ich bin selbst kein Vater. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass Elternschaft das eigene Leben auf eine ganz besondere Weise verändert: Plötzlich ist da ein Mensch ausserhalb von einem selbst, den man nicht wegen seiner Leistung, seiner Erfolge oder seines Verhaltens liebt – sondern einfach, weil er da ist.

Vielleicht ist es, als würde ein Teil des eigenen Herzens nach aussen treten. Man trägt Verantwortung, sorgt sich, freut sich über kleinste Fortschritte und wünscht diesem Menschen von Herzen Schutz, Freiheit und ein gutes Leben. Nicht, weil man etwas zurückerwartet, sondern weil Liebe sich darin zeigt: im Geben, Tragen, Fördern und Dasein.

Wenn schon menschliche Eltern eine solche Liebe empfinden können – wie viel grösser muss dann Gottes Blick auf uns sein? Er sieht nicht nur zwei oder drei Kinder, sondern Milliarden von Menschen. Und doch ist keiner von uns für ihn eine Nummer in einer unüberschaubaren Menge. Jeder Mensch ist gesehen, gewollt und geliebt.

Dann kommt oft die grosse Frage: Wenn Gott ein liebender Vater ist, warum lässt er so viel Leid zu?

Ich glaube, wir machen es uns zu einfach, wenn wir alles Schwere direkt Gott zuschreiben. Das Böse kommt nicht vom Guten. Gewalt, Verrat, Gier, Missbrauch, Lüge und Gleichgültigkeit sind nicht der Ausdruck von Gottes Herzen. Sie entstehen dort, wo Menschen ihre Freiheit gegen die Liebe einsetzen.

Echte Liebe ohne Freiheit gibt es nicht. Wenn Gott uns nur so erschaffen hätte, dass wir automatisch das Richtige tun, wäre unser Gehorsam keine Liebe, sondern Programmierung. Dann wäre Gott kein Vater, der Beziehung sucht, sondern ein Befehler, der jede Bewegung kontrolliert.

Freiheit bedeutet deshalb auch, dass wir Nein sagen können: Nein zu Gott, Nein zur Wahrheit, Nein zur Liebe – und Ja zu Egoismus, Macht oder Zerstörung. Diese Möglichkeit ist schmerzhaft und sie hat Folgen. Aber ohne sie wäre auch unser Ja zu Gott nicht echt.

Das erklärt nicht jedes einzelne Leid und nimmt keinem Menschen seinen Schmerz. Es gibt Situationen, für die wir keine schnellen Antworten haben. Aber es erinnert daran, dass Gott nicht gleichgültig neben dem Leid steht und auch nicht dessen Urheber ist. Er nimmt unsere Freiheit ernst, obwohl sie ihn selbst verletzt. Und er bleibt trotzdem der Vater, der nicht aufhört, seine Kinder zu suchen, zu tragen und zur Liebe zurückzurufen.

Vielleicht ist es mit dem Leid und dem Urteil über Gott wie mit einer Rechnung. Während sie noch läuft, sehen wir einzelne Positionen, Verluste, offene Beträge und Dinge, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben. Doch was die Rechnung am Ende wirklich ergibt, sehen wir erst, wenn sie abgeschlossen ist – wenn der Doppelstrich gezogen wird und unten die endgültige Zahl steht.

Solange unsere Geschichte und die Geschichte dieser Welt noch nicht zu Ende geschrieben sind, können wir kein vollständiges und gerechtes Urteil fällen. Wir sehen nur Ausschnitte. Gott aber sieht die ganze Rechnung: jeden Schmerz, jede Ungerechtigkeit, jede Entscheidung, aber auch jede Liebe, jede Umkehr und jeden Schritt zum Guten.

Darum bedeutet Glaube nicht, Leid kleinzureden oder auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben. Glaube bedeutet, darauf zu vertrauen, dass Gott die Rechnung zu Ende führt – und dass am Schluss nicht das Böse, sondern seine Liebe das letzte Wort haben wird.

Das Buch zum Weiterlesen

Die Heimkehr deines Herzens

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