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Liebe

Was ist Liebe? Mehr als der Wunsch, geliebt zu werden

Wir sehnen uns alle nach Liebe. Doch was, wenn unsere Vorstellung von Liebe oft nur ein getarnter Eigennutz ist? Es gibt eine Liebe, die nichts fordert und alles verändert.

Von Damian Maxson · 14. Oktober 2026
Was ist Liebe? Mehr als der Wunsch, geliebt zu werden

Ich habe lange über das Wort «Liebe» nachgedacht. Wir verwenden es für alles Mögliche. Für den Partner, für die Kinder, aber auch für eine Pizza oder ein neues Auto. Das Wort ist abgenutzt, fast schon entleert. Und wenn wir ehrlich sind, meinen wir oft gar nicht die Sache oder die Person, die wir zu lieben behaupten.

Wenn ich sage «Ich liebe dich», ist das oft nur die halbe Wahrheit. Der ungesagte Teil lautet: «Ich liebe das Gefühl, das du mir gibst. Ich liebe die Sicherheit, die Bestätigung, die Abwesenheit von Einsamkeit.» Es ist ein Tauschgeschäft, ein stillschweigender Vertrag. Ich gebe dir Zuneigung, damit du meine Bedürfnisse erfüllst. Das klingt hart und zynisch, aber wenn ich in einer stillen Minute ganz ehrlich zu mir bin, entdecke ich diesen Mechanismus in meinem Herzen immer wieder.

Wir alle haben diesen tiefen Wunsch, geliebt zu werden. Es ist vielleicht das grundlegendste menschliche Bedürfnis. Doch diese Sehnsucht macht unsere eigene Liebe oft bedürftig und fordernd. Sie wird zu einem Werkzeug, um unsere eigene Leere zu füllen. Doch tief im Innern ahnen wir, dass das nicht alles sein kann. Es muss eine andere Art von Liebe geben.

Die Liebe, die wir kennen

Schau dich um. Unsere Welt funktioniert nach dem Prinzip des Mehrwerts. Du investierst Zeit und Kraft in eine Arbeit, weil du Lohn erwartest. Du pflegst Freundschaften, weil sie dir Freude und Unterstützung bringen. Nichts davon ist schlecht. Es ist einfach, wie wir Menschen funktionieren. Wir sind auf Gegenseitigkeit und Ausgleich gepolt.

Dieses Muster durchdringt auch unsere engsten Beziehungen. Wir lieben, weil wir uns davon ein besseres Leben erhoffen. Eine Partnerschaft soll uns glücklich machen. Kinder sollen uns Stolz und Erfüllung schenken. Selbst in der Nächstenliebe steckt oft der Wunsch nach Anerkennung oder einem guten Gewissen. Es ist eine Liebe, die ständig eine Bilanz zieht: Was bekomme ich dafür zurück?

Wenn die Gegenleistung ausbleibt, gerät diese Liebe ins Wanken. Der Partner enttäuscht, die Kinder gehen eigene Wege, die Freunde haben keine Zeit. Die Rechnung geht nicht mehr auf. Zurück bleiben Groll, Verletzung und die Frage, ob das wirklich Liebe war. Diese Liebe ist an Bedingungen geknüpft. Sie ist zerbrechlich.

Was mir dabei aufgefallen ist

Manchmal blitzt etwas anderes auf. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Neugeborenen. Das kleine Wesen fordert nur. Es raubt den Schlaf, schreit, macht alles schmutzig. Es gibt nichts zurück, ausser seiner reinen Existenz. Und doch ist da eine Liebe, die das alles nicht nur aushält, sondern bedingungslos fliesst. Eine Mutter liebt ihr Kind, weil es ein Teil von ihr ist. Es ist eine fast instinktive, schützende Liebe.

Doch selbst diese Liebe kann an ihre Grenzen stossen. Was aber, wenn jemand für Menschen stirbt, die ihn hassen? Die ihn verspotten und verraten? Was, wenn jemand sein Leben gibt, nicht für seine Freunde, sondern für seine Feinde? Hier versagen alle unsere Berechnungen. Hier gibt es keinen Mehrwert, keinen Gewinn, keinen nachvollziehbaren Grund. Genau das hat Jesus getan.

Er ging ans Kreuz. Nicht, weil wir so liebenswert gewesen wären. Nicht, weil er sich davon etwas erhofft hätte. Er tat es, als wir noch seine Feinde waren, wie die Bibel es nüchtern formuliert. Das ist eine Liebe, die nicht von uns ausgeht und nicht bei uns endet. Sie hat ihren Ursprung allein in Gott. Sie wünscht nichts, sie fordert nichts, sie gibt sich einfach nur hin. Das ist der Riss in unserem gewohnten Bild von Liebe. Eine völlig andere Dimension.

Und dann kam die Kraft

Diese Liebe ist nicht nur eine schöne Idee. Sie ist eine gewaltige Kraft. Die ersten Christen waren keine Übermenschen. Es waren Fischer, Zöllner, einfache Leute voller Fehler und Ängste. Petrus hat Jesus verleugnet. Die Jünger haben ihn im entscheidenden Moment alle verlassen. Nach menschlichem Ermessen war ihre Liebe schwach und unzuverlässig.

Was hat diese Männer und Frauen so verändert, dass sie später bereit waren, für ihren Glauben an diesen Jesus Verfolgung, Folter und Tod auf sich zu nehmen? Es war die Begegnung mit dieser göttlichen Liebe. Sie haben am eigenen Leib erfahren, dass Jesus den Tod besiegt hat. Sie haben verstanden, dass seine Liebe stärker ist als Verrat, stärker als Versagen, stärker als der Tod selbst.

Diese Liebe hat sie von innen heraus erneuert. Sie mussten sich Liebe nicht mehr verdienen. Sie waren bereits bedingungslos und bis ins Letzte geliebt. Diese Gewissheit hat sie von der Angst befreit. Sie gab ihnen die Kraft, alles auszustehen, weil sie wussten, dass nichts sie von dieser Liebe trennen kann.

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Römer 8,38-39

Was das für uns heute bedeutet

Wir leben in einer anderen Zeit. Die meisten von uns müssen nicht um ihr Leben fürchten, wenn sie an Jesus glauben. Unsere Kämpfe sind oft stiller, innerlicher. Es sind die Kämpfe mit der Einsamkeit, der Sinnlosigkeit, dem Gefühl, nicht zu genügen. Der Druck, liebenswert sein zu müssen, ist allgegenwärtig.

Wir haben Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen. Wir können nicht wie die Jünger mit ihm am Feuer sitzen. Wie können wir diese verändernde Liebe erfahren? Sie kommt nicht durch unsere eigene Anstrengung. Wir können sie nicht herbeimeditieren oder durch gute Taten produzieren. Der erste Schritt ist die ehrliche Kapitulation. Das Eingeständnis: «Meine Liebe ist zu klein. Sie ist eigennützig und schwach. Ich brauche deine.»

Diese Liebe Gottes ist keine Belohnung für die Frommen. Sie ist ein Geschenk für die Bedürftigen. Sie findet uns dort, wo wir sind. Im Gebet, das nichts weiter ist als ein ehrliches Gespräch. Im Lesen der Bibel, wo seine Worte über die Jahrtausende hinweg zu uns sprechen. In der Gemeinschaft mit anderen Menschen, die ebenfalls aus diesem Geschenk leben. Dort, wo wir uns für ihn öffnen, beginnt seine Liebe, unsere berechnende Liebe zu heilen und zu verwandeln.

Die wahre Liebe hat also gar nicht so viel damit zu tun, dass wir besser lieben lernen. Es geht darum, sich von ihm lieben zu lassen. Bedingungslos. Vollkommen. Das nimmt den ganzen Druck von unseren Schultern. Wir müssen nicht mehr um Liebe kämpfen. Wir dürfen einfach empfangen. Und wer so tief geliebt ist, dessen Herz fängt von ganz allein an, anders zu lieben. Nicht weil es muss, sondern weil es nicht anders kann.

Über den Autor

Damian Maxson schreibt aus persönlicher Erfahrung über Glaube, Krisen, Veränderung und den Weg zurück zu Jesus Christus.

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